Als Ambrose Laudani neun Monate alt war, lieferte ihn seine Mutter in einem Waisenhaus in Kerala (Indien) ab und verschwand. Fünf Jahre später wurde das Kind von einem italienischen Paar adoptiert. Heute ist Ambrose Tänzer.
Letztes Jahr ist er ins Waisenhaus seiner frühen Kindheit zurückgekehrt. Er spielte mit den Kindern, die heute dort leben. Gemeinsam mit dem Choreografen Michel Casanovas und anderen Mitgliedern der Compagnie Morespace bereiste Ambrose Laudani sein Geburtsland, improvisierte mit indischen Tänzern, machte Videoaufnahmen und fing die Geräusche des Alltags ein.
Acht Monate lang hat die Compagnie in intensiver Auseinandersetzung nach einer Bewegungssprache gesucht, die die Einsamkeit und Verlustgefühle des ausgesetzten Kindes angemessen wiedergibt. Die Choreografie arbeitet mit Rhythmuswechseln und kontrastreichen Bewegungen. Rohe, instinktive und eruptive Bewegungen, pure Energie, kontrastieren mit einer sehr kontrollierten, minimalistischen, vom indischen Tanz inspirierten Bewegungssprache.
Mit der Uraufführung in der Kaserne ist die Spurensuche nicht beendet. Die Compagnie Morespace will die zentralen Themen des Stückes weiter bearbeiten. Während der anschliessenden Tournee, die sie nach Indien führt. Vers l’Est eben.
Diese einschneidenden Erfahrungen bilden die Basis für das Tanz-/ Musik- und Videoprojekt „Vers l’Est“. Entstanden ist nicht nur eine Reise zur Klärung der eigenen Identität. Es ist auch eine Reise in zwei Welten, zwei Kulturen: Diejenige Indiens und Europas.