Am frühen Morgen des 18. Juli 1942 wurde Joseph Cruzet auf dem Weg zur Arbeit in Perpignan verhaftet.
Joseph Cruzet, Verbindungsagent der französischen Widerstandsbewegung im besetzten Frankreich, war im zivilen Leben Lokomotivführer, Gewerkschafter, Kommunist.
Die Verhaftung bedeutete für ihn der Beginn einer langen Reise durch verschiedene Gefängnisse in Südfrankreich. Nach einem missglückten Massenausbruch wurde er am 5. Mai 1944 mit 1'200 Leidensgenossen nach Deutschland deportiert. Die Endstation hiess Dachau. Dort bekam er die Matrikelnummer 73313. Er wurde in der Umgebung des Konzentrationslagers zu schwerer Zwangsarbeit eingesetzt.
Das Schicksal der Deportation teilte Joseph Cruzet mit ungefähr 81'000 weiteren Franzosen. Schätzungsweise 50% kehrten in ihr Heimatland zurück. Joseph Cruzet war einer unter ihnen.
Am Tag seiner Rückkehr aus dem Konzentrationslager war er zum Skelett abgemagert. Während eines Jahres sprach er nicht. Er hatte eine Phobie vor Schäferhunden. Er war krank und schwach. Doch dann – nach einer Zeit der Depression – fand er seine Moral wieder, seine Fröhlichkeit, seine legendäre Lebendigkeit, seinen unermüd-lichen Aktivismus für seine politischen Ideale und für seine Genossen.


















In einer Mischung aus Tanztheater, Dokumentarfilm und Essayistik macht sich
der Tänzer und Choreograph Michel Casanovas auf die Spurensuche nach seinem Grossvater, der 1969 verstorben ist. Die Suche führt ihn von Perpignan
in Südfrankreich, nach Dachau ins ehemalige Konzentrationslager während des
2. Weltkrieges und wieder zurück in die Sonne seiner katalanischen Heimat.
Dabei lernt er alte Männer kennen, die ein ähnliches Schicksal wie sein Grossvater gekannt haben, befragt sie über ihr Leben, über seinen Grossvater, er spricht
mit ihnen über sein Vorhaben ein Tanztheaterstück zu kreieren und dafür ihre mündlichen Zeugnisse verwenden zu wollen. Die Suche führt ihn auch zurück
zur eigenen Familie, er wühlt in frühen Kindheitserinnerungen an seinen Gross-vater, er besucht mit seiner Mutter das ehemalige Konzentrationslager Dachau,
in dem sein Grossvater während eines Jahres deportiert war, und immer wieder fragt er sich auch, was er selbst denn um Gottes Willen mit all dem zu tun hat.

Cheminot ist ein Solostück für Michel Casanovas.
Musikalisch wird er live begleitet vom Schlagzeuger Pierre Favre.
Die weiteren künstlerischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind:
Patrick Collaud (Konzept/Regie), Marianne Eggenberger (Video),
Michèle Rebetez (Bühneninstallation/Dramaturgie), Brigitte Dubach (Lichtdesign)

Prix d’auteurs 2003